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Bücher zu Lateinamerika

Autor
Quiroga, Horacio

Die Verbannten und andere Erzählungen.

Untertitel
Übers., ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Roland Berens.
Beschreibung
Verlag
Bielefeld: Aisthesis Verlag, 2010.
Format
englbr.
Seiten
240 Seiten
ISBN/EAN
978-3-89528-798-5
Preis
16,80 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Horacio Quiroga wurde am 31.12.1878 in Salto/Uruguay geboren (der Vater war Argentinier). Er verließ seine Heimat nach einer Reihe persönlicher Schicksalsschläge und lebte eine Zeitlang in Paris. Sieben Jahre verbrachte er anschließend zurückgezogen im Urwald am Ufer des Paraná in Argentinien, wo er auch einen Teil seiner Erzählungen schrieb, die in dieser Region im Grenzgebiet zwischen Paraguay, Brasilien und der argentinischen Provinz Misiones angesiedelt sind. Seinen Unterhalt verdiente er sich vorübergehend als Konsulatsbeamter, Spanischlehrer und Orchideenzüchter. An Krebs erkrankt, nahm er sich am 18.2.1937 in Buenos Aires das Leben. Quiroga gilt als einer der Begründer der modernen lateinamerikanischen Literatur und entfaltete seine Meisterschaft vor allem in kurzen Prosaformen. Poe, Maupassant und Kipling hat er selbst als seine wichtigsten Vorbilder benannt.

Zum Buch:

Verglichen mit anderen Klassikern der lateinamerikanischen Literatur wurde Quiroga schon früh für den deutschen Sprachraum entdeckt. Die erste deutsche Übersetzung einer Sammlung von Erzählungen erschien 1931 und erlebte insgesamt drei Auflagen. 1958 erschien die längere Erzählung „Anaconda“ in einer anderen Übersetzung und erst 1971 brachte der Aufbau-Verlag wieder eine Anthologie mit Erzählungen heraus. Dann dauerte es wieder 15 Jahre bis die nächsten Anthologien erschienen, zum Teil aber in den alten Übersetzungen. Und in diesem Jahr dürfen die Leser in gleich zwei Anthologien mit Erzählungen schmökern. Schade nur, daß neun Geschichten nun doppelt vorhanden sind, denn noch längst sind nicht alle der insgesamt 170 Geschichten übersetzt. Eigentlich paßt zu allen Erzählungen der Titel, den Quiroga für seine Sammlung von 1917 wählte: Cuentos de amor de locura y de muerte (ohne Punkt und Komma); denn in allen seinen Geschichten, auch in den Jugendbüchern, ist von Liebe und Tod, von Gewalt und Wahnsinn und von der unbarmherzigen Natur die Rede (viele seiner besten Geschichten spielen in den Urwäldern der argentinischen Provinz Misiones). Oft sind es Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit, handeln vom plötzlichen Einbruch des Unheimlichen und Bedrohlichen in den Alltag von ganz normalen Leuten. In einigen Geschichten sind Tiere die Protagonisten (wie in der berühmten Erzählung „Anaconda“), wieder andere überraschen durch ihren lakonischen Humor („Liebesdiät“).  „Die Wildnis des Lebens“ bietet mit insgesamt 34 Erzählungen einen Querschnitt aus allen Schaffensperioden des Autors. Den Schwerpunkt der Anthologie „Der Verbannten und andere Erzählungen“ bildet die komplette Sammlung Los desterrados von 1926 mit acht Prosastücken und weiteren 9 Geschichten aus den Jahren 1907 bis 1935. Beide Bände bieten eine fesselnde Lektüre. Versprochen! Noch ein Hinweis: Der Herausgeber und Übersetzer der letztgenannten Anthologie Roland Berens hat 2002 im gleichen Verlag eine lesenswerte Untersuchung zum Thema veröffentlicht: “Narrative Ästhetik bei Horacio Quiroga.” (Besprechung in BzL 2002/03) Klaus Küpper (Bücher zu Lateinamerika)