Zum Buch:
Ausgelöst durch die massive Verschuldung Mexikos in den Jahren nach der Unabhängigkeit, vor allem gegenüber Bankhäusern in Großbritannien, Frankreich und Spanien, beschlossen die drei europäischen Großmächte 1861, die Eintreibung der Schulden durch eine militärische Intervention zu gewährleisten. Der französische Kaiser Napoleon III. verfolgte jedoch darüberhinausgehende Ziele: er versuchte seinen politischen Einfluß in Mexiko zu verstärken, indem er durch eine ihm ergebene Versammlung dem Bruder Kaiser Franz Joseph II., Erzherzog Maximilian von Österreich, die Kaiserkrone antrug. Anders als Napoleon spekulierte, verfolgte Maximilian, der die Krone 1864 angenommen hatte, durchaus eigenständige Ziele. Im Einklang mit den 1859 von Benito Juárez erlassenen Gesetzen betrieb er in seiner kurzen Regierungszeit eine relativ liberale Politik. Nicht zuletzt auf Druck der USA zog sich Napoleon 1865 vom mexikanischen Schauplatz zurück und überließ Maximilian seinem Schicksal.
Konrad Ratz untersucht in seiner Arbeit einen speziellen Aspekt des zweiten mexikanischen Kaiserreichs: die Reisen Maximilians in Mexiko in den Jahren 1864 bis 1867, dem Jahr seiner Hinrichtung. Er stellt dessen Reisepolitik in den historischen Kontext und schildert ausführlich die fünf längeren Reisen, auf denen Maximiian sich mit Bildungs- und Wirtschaftsfragen beschäftigte und die seinem erklärten Bedürfnis vor Ort zu regieren, entsprachen. Basis sind die bis vor kurzem noch unveröffentlichten Briefe Maximilians und seiner Frau Charlotte sowie die von Ratz neu aufgefundene Dokumente in Klöstern, Kasernen und Archiven. Die Arbeit unterstützt damit gleichzeitig den allmählichen Wechsel in der Bewertung des zweiten mexikanischen Kaiserreichs innerhalb der mexikanischen Historiographie, der nach dem Geleitwort von Drekonja-Kornat u. a. durch den historischen Roman des mexikanischen Autors Fernando Del Paso (Nachrichten aus dem Imperium) ausgelöst wurde (s. dazu Bücher zu Lateinamerika 1997/98).
Eine spannende Untersuchung über einen wenig beachteten Gegenstand.
Klaus Küpper (Bücher zu Lateinamerika)