Zum Buch:
Die aufgrund ihrer regimekritischen Haltung inzwischen weltberühmte Bloggerin Yoani Sánchez beschreibt in ihren kurzen Beiträgen die verschiedensten Aspekte des kubanischen Alltags. Sánchez, geboren 1975, gehört der Generation kubanischer Intellektueller an, die nicht mehr die Erfahrung der politischen Zustände vor der Revolution erfahren haben. Sie schildert mit teilweise beißender Ironie ihre Sicht auf viele Missstände des kubanischen Alltags und der politischen Verhältnisse. Dies ist an vielen Stellen treffend, an manchen aber auch insofern problematisch, da der bei ihr durchscheinende Vergleichspunkt zu positiveren gesellschaftlichen Verhältnissen immer die entwickelten Gesellschaften Europas oder der USA in positiver Verklärung sind. Vergleiche mit benachbarten Ländern in ähnlicher sozioökonomischer Situation stellt sie leider nicht an. Trotzdem zeigt vieles an ihrer Kritik korrekt die Widersprüche und teils heftig verkrusteten Zustände der Politik einer Partei auf, die eine autoritäre Kontrolle über alle Lebensbereiche ausüben möchte.
Unter Berücksichtigung einer gewissen Einseitigkeit durchaus sehr lesenswert.
Klaus Brieskorn (Bücher zu Lateinamerika)