Zum Buch:
Schwartz beschreibt in seinem Roman die Entstehung und das Leben in einer Kolonie von Zugewanderten am Rande einer Großstadt im Norden Kolumbiens.
Soweit das Auge reichte, war alles Busch, grenzenloses Dickicht … Hier klingt schon die Sprache an, die Schwartz verwendet, die Sprache der Bibel, der Vulgata: Für die Zeit deiner Arbeit bau dir eine Hütte und bestell für deinen Unterhalt ein Stück Land, das ich dir angeben will, sprach der Kaufmann Gamarra, genannt der Obergeier, Eigentümer des Landes. Die Geschichte beginnt kurz nach der Unabhängigkeit des Landes. Es folgen eine Unzahl von Bürgerkriegen; ein General verspricht einem Soldaten Land, das sie nach dem Sieg der Familie Gamarra abnehmen werden. Und Abelardo Lara schnitt seinen Familiennamen in eine Ceiba, so würde er nach dem Krieg den Landflecken wiederfinden können, den ihm General Forero versprochen hatte. Auf diese Versprechung folgten viele weitere Landverheißungen, sie alle werden aus unterschiedlichen Gründen zunichte gemacht. Parallel wird die Geschichte des Moisés Cantillo erzählt, der die schließlich erfolgreiche Landnahme mit Hilfe eines korrupten Senators organisiert. 30 000 Menschen waren gekommen, das gelobte Land in Besitz nehmen, aus zweiundzwanzig Bezirksstädten und fünfzehn Dorfgemeinden der Provinz Barrantes und in neunzehn armseligen Vororten von Bellavista (setzte sich) diese ungeheure Völkerwanderung in Bewegung, die wie eine gewaltige Flutwelle auf das Gelände zuströmte, das Sentator Fadul für die Besetzung bestimmt hatte. Und weil die Besetzung dann doch nicht so reibungslos vonstatten ging, und die Siedler bei der Auseinandersetzung mit dem Militär einige Beulen abbekommen hatten, nannten sie Ihren Stadtteil Chibolo, die Beule. Es folgen Auseinandersetzungen mit dem Militär, die Drogenmafia versucht Fuß zu fassen, der Armenpriester Arregui wird ermordet und schließlich tauchten in Chibolo die Hallelujas auf, zwei hoch gewachsene blonde Männer auf, die dunkle Anzüge und Krawatten trugen und sich auf den Straßen als Apostel … von der Vorletzten Verkündigung vorstellten ….
Nicht nur die Sprache, auch die Struktur und die Ereignisse der Bibel finden sich in dem Roman von Marco Schwartz als blutige Geschichte Kolumbiens wieder. Er ist literarisches Zeugnis, das eindringlicher als manche wissenschaftliche Untersuchung Einblicke in die aktuelle Situation des Landes vermittelt kann.
Klaus Küpper (Bücher zu Lateinamerika)