Zum Buch:
Die vorliegende Dissertation untersucht die Frauenbilder in sechs Romanen, die nach der Diktatur Pinochets geschrieben wurden unter anderem unter der Fragestellung, inwieweit die weibliche Identität in der neueren (weiblichen) Literatur Chiles überhaupt eine Rolle spielt. Birgit Seibert kommt zu der Feststellung, daß die drei chilenischer Autorinnen, Pía Barros, Diamela Eltit und Marcela Serrano das Thema der weiblichen Identitätskonstitution in dieser exemplarisch ausgewählten Prosa in unterschiedlicher Weise behandeln. Bei der Feministin Pía Barros hat die Darstellung des weiblichen Körpers und die weibliche Sexualität einen zentralen Stellenwert. Sie dienen ihr als Folie für die Darstellung der alten Machtstrukturen zwischen den Geschlechtern. Marcela Serrano, von der im übrigen der einzige ins Deutsche übersetzte Roman der untersuchten Texte (Damit du mich nicht vergißt) stammt, schreibt über typische Erfahrungen von Frauen, die meist aus der gehobenen Mittelschicht oder Oberschicht kommen. Ihre Figuren sind klischeehaft konstruiert und konservativ, ihre Stellungnahmen sind oberflächlich, pauschalisierend und parolenhaft. Diamela Eltit legt nach Meinung von Birgit Seibert Wert auf literarische Qualität, die einen hohen Anspruch an ihre Leser undLeserinnen stellt. Ihre Themen behandeln politische, literaturtheoretische und kulturwissenschaftliche Fragestellungen. Die Protagonisten stammen aus gesellschaftlichen Randbereichen, was auch ihre Sprachlosigkeit bezüglich der Artikulation spezifisch weiblicher Anliegen erklärt. Insgesamt eine lesenswerte Arbeit, die sehr viel über die augenblickliche gesellschaftliche Situation des Umbruchs in Chile (und nicht nur dort) aussagt.
Klaus Küpper (Bücher zu Lateinamerika)