Zum Buch:
Die Guggenheims waren angesehene Geschäftsleute in Konstanz und Donaueschingen. Doch nach 1933 veränderte sich alles. Seiffert zeigt in dem Buch auf, wie ihre Lebenssituation nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten systematisch verschlechtert und ihnen die Lebensgrundlagen mehr und mehr entzogen wurden. Zwischen 1935 und 1939 emigrierten drei Familienmitglieder nach Argentinien. Drei weitere beantragten Anfang 1939 ebenfalls Einreisevisa für Argentinien bzw. Chile. Deren Erteilung zog sich aber hin, weil die Staaten mittlerweile die jüdische Einwanderung beschränkt hatten. Im Oktober 1940 verfügte der badische NSDAP-Gauleiter Robert Wagner die Abschiebung aller badischen Juden und Jüdinnen nach Frankreich. Sie wurden ins Internierungslager GURS am Rand der Pyrenäen in der unbesetzten Zone Frankreichs deportiert. Im Februar/März 1941 wurden diejenigen, die Ausreiseanträge gestellt hatten, ins Transitlager Les Milles bei Aix-en-Provence verlegt. Die Frauen sollten in Marseille die erforderlichen Papiere für die Ausreise beschaffen, das quälende Procedere das Anna Seghers in ihrem großen Roman Transit so eindringlich beschrieben hat. Im Juni 1941 wies die Gestapo die ihr hörige Vichy-Regierung an, nur noch denjenigen die Ausreise zu gestatten, die vor dem Mai 1940 in Frankreich gelebt hatten. Damit saßen die badischen Juden und Jüdinnen in Südfrankreich in der Falle, eine legale Ausreise war nicht mehr möglich. Salomon, Toni und Dagobert Guggenheim wurden am 11. August 1942 aus Les Milles nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Gert Eisenbürger (Bücher zu Lateinamerika)